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Bevölkerungsprognose

23.11.06


Antwort zur Anfrage "Bevölkerungsprognose für die Stadt Trier"


Ihre Anfrage „Bevölkerungsprognose“ vom 23.11.2005


Sehr geehrte Frau Britz,

Ihre o. g. Anfrage haben wir - wie mit Ihnen abgestimmt - zunächst im Stadtvorstand grundsätzlich besprochen. Das Amt für Stadtentwicklung und Statistik hatte hierzu ein grundlegendes Arbeitspapier vorgelegt.

Aus dieser Diskussion und Abstimmung des Stadtvorstandes vom 16.01.2006 heraus möchte ich Ihre Anfrage schriftlich beantworten. Eine weitergehende mündliche Erläuterung werden Sie von mir und Dr. Weinand am 24.01.2006 im Steuerungsausschuss erhalten.

Erlauben Sie mir einige grundlegende Anmerkungen zu Bevölkerungsprognosen bzw. -vorausschätzungen auf kommunaler Ebene:

• Die eine und richtige Prognose bzw. Vorausschätzung gibt es nicht.

• Vorausschätzungen sind in ihrer Qualität abhängig von den inhaltlich unterstellten Annahmen.

• Je nach gesetzten Annahmen und deren Kombination werden unterschiedliche Szenarien und Ergebnisse erzielt werden.

• Mit der Abnahme der Raumgröße (Bund-Land-Region-Landkreise-Städte) und der Zunahme der Zeiträume (2020, 2030, 2050) werden die Unsicherheiten der Ergebnisse bzw. die Genauigkeit der Vorausschätzungen unsicherer.

Diese grundlegenden Anmerkungen zeigen bereits deutlich, dass mit Vorausschätzungen - je nach gesetzten Annahmen - Entwicklungskorridore aufgezeigt werden können, in deren Bandbreite die absehbare zukünftige Entwicklung liegen wird.

Solche Entwicklungskorridore zeigen die vorliegenden Bevölkerungsvorausschätzungen des Statistischen Bundesamtes, des Statistischen Landesamtes Rheinland-Pfalz (StaLa) und der Bundesanstalt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) auf. Die Vorausschätzungen der beiden letztgenannten Institute - insbesondere des Statistischen Landesamtes - werden in den Arbeiten der Fachämter der Verwaltung vorrangig verwendet.

Die beiden Vorausschätzungen unterscheiden sich sowohl in der Zielrichtung, dem inhaltlichen Umfeld im Rahmen von komplexen Modellen, der methodischen Vorgehensweise, sowie der Differenziertheit der Annahmen und Ergebnisse. Diese Unterschiede sind somit bei entsprechenden Einsatzmöglichkeiten der Vorausschätzungen zu berücksichtigen.

Während das StaLa gezielt Aussagen zu kleinräumigen Einheiten des Landes Rheinland-Pfalz treffen will (und muss) und dabei sowohl bei den Annahmen als auch den späteren Ergebnissen kleinräumige Entwicklungen und Besonderheiten im Land berücksichtigt, liegt das Hauptinteresse des BBR auf der Bundesebene und in einer Differenzierung nach Raumtypen (z. B. West und Ost, Stadt und Land), wobei durch die Vielzahl der Einheiten – 440 Gebietseinheiten – regionale Besonderheiten für einzelne Gebietseinheiten nicht ausreichend darstellbar sind.

Das StaLa aber insbesondere auch das BBR weisen deutlich auf die eingeschränkte Aussagekraft der Vorausschätzungen bei lokalen Besonderheiten und singulären Entwicklungen hin und raten zur Überprüfung und Erweiterung der Annahmen vor Ort um diese speziellen Komponenten.

Die nachfolgende Tabelle zeigt Ihnen die von beiden Instituten für die Stadt Trier berechneten Werte bis 2020. Die Spanne reicht von 91.500 Menschen bis max. 105.000 Menschen.
Lediglich das StaLa weist Zahlen für die Stadt Trier bis 2050 aus. Je nach Variante umfasst der Korridor eine Breite von 75.000 bis 95.000 Menschen.

Ergebnisse der Vorausschätzung 2010
untere Variante obere Variante
Statistisches Landesamt
Rheinland-Pfalz (StaLa)
95.499 96.880
Bundesanstalt für Bauwesen
und Raumordnung (BBR)*
- 103.500 -
Ergebnisse der Vorausschätzung 2020
untere Variante obere Variante
Statistisches Landesamt
Rheinland-Pfalz (StaLa)
91.509 96.349
Bundesanstalt für Bauwesen
und Raumordnung (BBR)*
- 105.200 -
Ergebnisse der Vorausschätzung 2030
untere Variante obere Variante
Statistisches Landesamt
Rheinland-Pfalz (StaLa)
87.221 96.752
Bundesanstalt für Bauwesen
und Raumordnung (BBR)*
- keine Angabe -
Ergebnisse der Vorausschätzung 2050
untere Variante obere Variante
Statistisches Landesamt
Rheinland-Pfalz (StaLa)
75.250 94.839
Bundesanstalt für Bauwesen
und Raumordnung (BBR)*
- keine Angabe -

* Die BBR hat im Gegensatz zum StaLa Rheinland-Pfalz nur eine Grundvariante ausgewiesen.


Letztendlich geht es jedoch nicht um die Verwendung einer richtigen Prognose bzw. Vorausschätzung, sondern darum, dass die Politik in ihrem Verantwortungsbereich mit den vorliegenden Vorausschätzungen in die Zukunft blicken kann. Dieser Blick bis 2020 zeigt den v. g. Korridor möglicher Entwicklungen auf.

Generell ist festzustellen, dass die Bevölkerungsvorausschätzungen des Statistischen Landesamtes – mit Berechnung verschiedener Varianten unter unterschiedlichen Rahmenbedingungen, der Berechnung eines mittel- und langfristigen Zeithorizontes bis zum Jahr 2050 und mit einer Ermittlung von tief regional differenzierten Eingabedaten sowie einer Berücksichtigung landes-, region- und kreisspezifischer Besonderheiten – nach Auffassung des Amtes für Stadtentwicklung und Statistik in erster Linie für einen Einsatz bei zukunftsorientierten Fragestellungen geeignet ist. Zudem werden ausschließlich von StaLa Berechnungen für Kohorten vorgenommen, die andere Institute (auch nicht die BBR) nicht vornehmen. Deshalb sind die Vorausschätzungen des StaLa insbesondere für Fachplanungen, wie z. B. und insbesondere Schul- und Kindergartenplanung und Einzelhandelskonzept, verwertbar.

Die Bevölkerungsprognose des BBR – mit ihrer anderen Ausgangslage und Zielrichtung sowie ihrem Bezug zu einer höheren Gebietsebene mit anschließendem "Herunterbrechen" im Top-down-Verfahren auf kleinräumigere Einheiten wie die Kreise (als "Nebenprodukt" einer großräumigen, nationalen Entwicklung) – sollte nur in Kenntnis und Beachtung der Vorgaben und der eigentlichen Zielrichtung der BBR zum Einsatz kommen. Hierbei ist zu beachten, dass das BBR darauf hingewiesen hat, dass bei einer kleinräumigen Nutzung die Ergebnisse - durch Fachleute vor Ort bzw. spezielle Kenntnisse der regionalen Gegebenheiten – zu prüfen und gegebenenfalls anzupassen sind.

Ein Vorteil bei der Bevölkerungsprognose des BBR ist allerdings, dass sie in direktem Zusammenhang und Abhängigkeit zu weiteren Prognosen, insbesondere Wohnungsprognose und Haushaltsprognose, im Rahmen eines Gesamtmodelles "Raumordnungsprognose 2020" der BBR steht und hierdurch weitere Prognosemerkmale zur Verfügung stehen.

Wenn in einem Fachgebiet auf eine spezielle Prognose zurückgegriffen wird (z. B. Wohnungsprognose und Siedlungsflächeninanspruchnahme im Bereich Wohnungsbau), scheint hier eine Berücksichtigung der Bevölkerungsprognose der BBR gerechtfertigt zu sein, insbesondere da zur Aufstellung des FNP belastbare Grundlagen vorgelegt werden müssen.

In Kenntnis des in der Tabelle dargestellten Korridors und der stadtspezifischen Besonderheiten, wie etwa „Luxemburg“ und „Umland“ (die in den Berechnungen weder der BBR noch des StaLa aufgenommen werden konnten), haben wir uns mit dem Strategischen Konzept „Zukunft Trier 2020“ auf eine Zielgröße festgelegt. Der Visionsbaustein lautet:

„2020: In Trier leben 100.000 Einwohner mit einer ausgewogenen Alters- und Erwerbsstruktur“

und hat die folgenden konkreten Ziele:

1. 2010: In Trier leben 105.000 Menschen mit Erstwohnsitz (100.200 am 31.12.2002).
2. 2010: Es sind insgesamt 1.500 zusätzliche Arbeitsplätze in Trier geschaffen.

Die bedeutet verkürzt, dass wir uns als Stadt Trier für potenzielle Zuwanderer interessant machen und Abwanderungen verhindern müssen.

Erlauben Sie mir abschließend eine Zusammenfassung:

Auch wenn insgesamt für viele Fragestellungen der Einsatz der Bevölkerungsvorausschätzungen des Statistischen Landesamtes sinnvoll ist, kann bei speziellen Fragestellungen die Nutzung von miteinander gekoppelten Fachprognosen der BBR sinnvoll sein. Allerdings sollte hier ein Einsatz und die Verarbeitung unter Hinweis, Berücksichtung und Bewertung von Bedingungen und Voraussetzungen dieser Prognosen sowie eine Überprüfung der lokalen Besonderheiten und Einflüsse erfolgen. Deshalb ist die Verwendbarkeit der BBR-Berechnungen für den Fachbeitrag Wohnen vertretbar.

Allgemein sollte aber sicherlich der Bevölkerungsvorausschätzung des StaLa der Vorzug gegeben werden, da diese derzeit wohl zu realistischeren und plausibleren Ergebnissen – insbesondere für kleinräumige Einheiten ? führt.

Ich hoffe, dass ich mit meinen v. g. Ausführungen Ihre Anfrage umfassend beantworten konnte.


Mit freundlichen Grüßen
Helmut Schröer


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