Rede zur „Erstellung eines Notfallplanes für Unfälle mit Uranhexafluorid,
Heels und anderen hochgiftigen Gefahrstoffen"
von Petra Kewes
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren,
Sobald es um Atomenergie geht, und alles was damit im Zusammenhang steht, werden wir Grüne gerne belächelt, wenn wir unsere Stimme erheben, und es heißt: „Ach, die schon wieder!“. Wir möchten auch nicht den Teufel an die Wand malen. Aber hier geht es uns heute in unserem Antrag um weitaus mehr. Nämlich um Transporte mit hochgiftigen Gefahrstoffen. Das bedeutet nicht nur Uranhexafluorid und dessen Zerfallprodukt Heels. Gefahrstoffe tragen diese Bezeichnung aus besonderem Grund, denn es geht eine besonders hohe Gefahr von ihnen aus. Und diesem Risiko muss Rechnung getragen werden.
Als erstes möchte ich für die Beantwortung unserer Anfrage danken, die größten Teils bereits am Samstag im Trierischen Volksfreund zu lesen war. Ich zitiere: „Die Stadt Trier weiß, dass sie nichts weiß.“ Das ist erschreckend welche Defizite beim Umgang mit den Gefahren herrschen. Und aus dieser Erkenntnis heraus, fordert Dezernent Egger im Vorfeld Informationen über die Transporte von Uranhexafluorid, kurz UF-6 genannt, um im Fall der Fälle schon bei der Alarmierung genauer Bescheid zu wissen und reagieren zu können.
Nach Angaben des Betreibers der Urananreicherungsanlage, führen pro Jahr etwa 40 LKW- und 20 Bahn-Transporte mit Uranhexafluorid von und nach Gronau durch Rheinland-Pfalz.
Aber was genau ist UF-6? UF-6 ist eine hochgiftige und radioaktive Verbindung. Aufgrund seiner Radioaktivität und seiner chemischen Eigenschaften ist es sehr gefährlich. Denn wenn es aus seinem Behälter entweicht, reagiert es mit der in der Luft enthaltenen Feuchtigkeit zu der hochgiftigen Flusssäure. Diese ist sehr aggressiv und wirkt schon in kleinen Mengen tödlich.
Im rheinland-pfälzischen Umweltministerium hält man die Freisetzung des Stoffes bei einem Unfall, die zu akuten Gefährdungen führen könnte, für "sehr unwahrscheinlich". Da die Transportbehälter sehr stabil sind, ist sei weltweit kein einziger Fall bekannt, in dem es zu einer Freisetzung von Uranhexafluorid gekommen sei.
Aber was bedeutet das? Das alles sicher ist? Nein! Denn was passieren kann, wird auch irgendwann passieren. So verunglückte am 21.05.2003 auf der Autobahn A1 bei Bathmen in den Niederlanden ein Lastwagen mit einer Ladung UF-6 die aus England kam und in die Anreicherungsanlagen nach Almelo und Gronau gebracht werden sollte. Der Transporter kollidierte mit einem anderen LKW, der Paraffin geladen hatte.
Paraffin ist ja bekanntlich brennbar. So brach in der Nacht vom 11. zum 12.06.2009 im Kieler Hafen ein Großbrand in einem Paraffin-Lager aus. Erst nach vier Stunden konnte dieser unter Kontrolle gebracht werden konnte. Wenn aber ein UF-6-Behälter in einem solchen extern gespeisten Brand gerät, dann steigt nach ca. einer halben Stunde der Druck im Behälter so stark an, dass er platzt und der ganze Inhalt auf einen Schlag freigesetzt wird. Dann ist mit tödlichen Konzentrationen der entstehenden Gase in 1 km Umkreis zu rechnen.
Ist der Behälter in der Anreicherungsanlage angekommen, wird er dort durch Erhitzen entladen: dabei geht das UF-6 direkt vom festen in den gasförmigen Zustand über. Die Zerfallprodukte des Urans, Heels genannt, bleiben im Behälter zurück, da sie keine flüchtigen Verbindungen mit dem Fluor eingehen. Sobald das UF-6 aus dem Behälter entleert ist, kann die Strahlung von Heels ungehindert durch die Behälterwand gelangen, da sie nicht mehr durch das Uran abgeschirmt wird. Im Endeffekt ist die Strahlung am entleerten Behälter 50 100 mal so hoch wie am vollen Behälter! Die vermeidlich „leeren“ Behälter werden auch durch Trier und den Landkreis verfrachtet.
Es geht vor allem darum, "ein Bewusstsein zu schaffen, was alles an radioaktiver Fracht durch die Region, auch durch dicht besiedeltes Gebiet, fährt. Das gehört mit zu dem, was die Atomenergie-Nutzung bedingt."
Deshalb heute unser Antrag auf Erstellung eines Notfallplanes inklusive Organisations- und Ablaufplanung, inklusive Ablaufschema über die Information der Öffentlichkeit, Benennung eines Zwischenlagers und Festlegung des Turnus der Notfallübungen und Schulungen der Rettungsdienste aus Stadt und Landkreis.
Andere Städte sind da bereits sehr viel weiter. Die Feuerwehr von Lünen bei Gronau, in NRW, hat 2008 bereits ein Sicherheitstraining für Gefahrguttransporte mit UF-6 absolviert. Zusammen mit dem Betreiber der Urananreicherungsanlage, Urenco Deutschland, und dem Bundesamt für Strahlenschutz wurde ein Einsatzplan für Notfälle erarbeitet.
Wir fordern die Verwaltung auf sich über das Lünener Sicherheitstraining zu informieren, um für unsere Rettungsdienste das Risiko zu minimieren. Schlecht oder uninformiert am Unfallort einzutreffen, bedeutet für sie nämlich Lebensgefahr, und ein unnötiges erhöhtes Risiko für Öffentlichkeit und Umwelt.
Bereits am 02. November 2010 hat die Kreistagsfraktion Bündnis 90 / Die Grünen im Kreistag eine ähnliche Anfrage zu Transporten von Uranhexafluorid, gestellt, und ebenfalls einen Antrag auf Erstellung eines Notfallplanes. Diesem wurde angesichts der Fakten einstimmig zugestimmt. Das gleiche erwarten wir in diesem Gremium, damit die Zusammenarbeit Synergien erwachsen lässt, die zusätzlich ein Mehr an Sicherheit bringen.
Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.
Petra Kewes
Bündnis 90/Die Grünen
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